Mobile Geräte und Apps im Unterricht

Grundsätzlich wäre es ja verwerflich, wenn Gerätschaften und andere Möglichkeiten, die sich in der Praxis z. B. der Arbeitswelt bewähren, in der Schule nicht auch Verwendung finden würden. Dabei muss ein Mittelweg gefunden werden zwischen übereifrigem „Hype-Aufspringen“ und Abwarten bis alles klar geregelt und möglich ist. Eine Betrachtung aus Distanz dient der Sache ebenso, wie unkompliziert ermöglichte Versuche von neugierigen Lehrpersonen. Damit kann man einerseits vermeiden, dass in einem Schrank der Schule teuer gekaufte Hardware im Dunkeln alt oder zweckentfremdet wird, wobei zweites immer noch besser wäre. Andrerseits soll die Schul-Lernsituation ja auch nicht möglichst weit von der Realität entfernt sein und Dinge ausschliessen, die in der Praxis kaum mehr wegzudenken sind (in der Berufsfachschule wird die Schule dann von den Lernenden schnell nicht mehr ernst genommen).

Gerätevergleich

Die Tablet-Diskussion (Horizon-Report, OPCO12) hätte meines Erachtens bereits vor einigen Jahren in ähnlicher Form mit den Netbooks stattfinden können, weil die Stückpreise von wenigen Hundert Franken oder Euro und die Grösse der Geräte eine neue Dimension eröffneten. Natürlich ist mit den Tablets (und Smartphones) auch das Bedienkonzept revolutioniert worden, aber die Möglichkeiten wären ja ähnlich. In der Gerätediskussion spielen einige Faktoren mit, die ich in folgender Tabelle unvollständig aufgelistet habe:

 Attribute

Smartphone

Tablet

Netbook

Notebook

PC

Mobilität     
Grösse +++ ++ + + – –
Akkulebensdauer ++ ++ ++ + 0
Gewicht +++ ++ + + 0
Usability     
Intuitive Bedienung +++ +++
Texte schreiben – – ++ +++ +++
Bildgrösse – – + + ++ +++
Zusatzfunktionen     
Foto/Film +++ + – – – – – –
Audio/MP3 +++ + + + +
Bewegungssensor +++ ++ 0 0 0
GPS ++ ++ 0 0 0
Telefon/SMS +++ 0 0 0 0
Administration/Technik     
Inst./Pflege Software ++ ++ + + +
Benutzermanagement 0 0 ++ ++ +++
Speicherplatz ++ ++ +++
Performance +++ +++
Besitzmodelle     
BYOD ++ + ++ 0
Klassensatz + + + + ++
Schulgerät persönlich + 0

Legende:

Das entsprechende Gerät ist dafür mit +++ sehr gut, ++ gut, + ok, – weniger, – – gar nicht gut geeignet und 0 heisst nicht möglich/vorhanden

Die Tabelle möchte zeigen, dass jedes Gerät seine Vor- und Nachteile hat und deshalb nicht generell ein Gerät seine alleinige Berechtigung hat. Je nach Einsatzgebiet kann sich ein Gerätetyp aufdrängen oder umgekehrt können durch die Möglichkeiten eines „Gadgets“ neue Verwendungszwecke und interessante Anwendungen in den Unterricht einziehen. Das ist dann die spannende Angelegenheit.

Tablet kaufen wegen des Mehrwerts?

Warum nicht gezielt Tablets beschaffen, anstelle anderer herkömmlicher Geräte? Ein Beispiel aus meiner Umgebung (ein [noch] nicht umgesetztes 🙂 ):

Es gibt für das iPad und iPhone, aber sicher auch für andere Tablets und Smartphones, Zusatzgeräte, die aus dem Gerät ein Messgerät machen. Hat es jetzt im Physikzimmer einen Klassensatz Multimeter, die ersetzt werden müssen, könnte man doch iPads mit Messzusatz (hier ein Beispiel von RedFish) oder mit Oszilloskop-Adapter (Beispiel von Osciumkaufen . Der Mehrwert liegt auf [in] der Hand: Noch einige Physik-Apps installieren und schon stehen zusammen mit WLAN und dem Browser unendlich viele neue Möglichkeiten im Physik- oder Elektrounterricht zur Verfügung. Es gibt bestimmt für andere Fachbereiche ähnliche Beispiele.

Jetzt aber App in den Unterricht

Mit Mobile Apps den Unterricht ergänzen und vielleicht auch ein bisschen verändern ist sicher eine gute Möglichkeit. Die Frage ist aber, was Mobile Apps dann überhaupt sind, welche Eigenschaft Sie auszeichnet:

  1. breites Sortiment, grosse Anzahl
  2. günstige Preise
  3. kleine Applikation mit einer kleinen Liste von Funktionen
  4. einfach zu installieren
  5. Einsatz von Sensoren (GPS, Bewegungssensor, Kamera)
  6. Ortsgebundene Dienste mit GPS, Augmented Reality (siehe Wikipedia-Eintrag)
  7. einfache Bedienung

Mobile Apps sind also ganz normale Programme, die besondere Eigenschaften haben. 1. 2. und 3. werden im Horizon-Report 2012 als solche erwähnt, sind aber meiner Meinung nach nicht zwingend Kriterien, die nur auf Mobile Apps zutreffen müssen. Es gibt viele Web 2.0-Anwendungen und kleine sinnvolle Programme für verschiedene Betriebsysteme, die wenig oder gar nichts kosten. Sie sind vielleicht nicht in einem App-Store vereint, aber es gibt im Internet gute Listen dazu (Beispiel für Lehrpersonen: freetech4teachers). Auch die Punkte 4. und 7. sind aus meiner Sicht nicht unbedingt nur auf Mobile Apps zutreffend, obwohl bei 7. mit Fingerbedienung sicher eine einfache Bedienung besser möglich ist. Es kann aber auch auf dem Desktop anders kommen, wie das Beispiel von Leapmotion zeigt. Für Applikationen bei denen 5. und 6. im mobilen Einsatz, wahrscheinlich auch teilweise ausserhalb des Schulraumes, eingesetzt werden, spielen die Mobile Apps Ihre Stärken aus. Und natürlich auch zusammen mit den mobilen Geräten und deren positiven Eigenschaften aus der obenstehenden Tabelle, besteht eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit. Ich denke an den Punkt der Gerätegrösse und den damit verbundenen „Immer-dabei-Effekt“, der das Smartphone zum digitalen Schweizer Sackmesser machen kann.

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